Ein Monobob, Olympia Bob Run St. Moritz-Celerina
IBSF/Girts Kehris

Monobob: der neueste olympische Wintersport

St. Moritz ist der Geburtsort des Monobobs, der bei den letzten Olympischen Winterspielen sein Debüt feierte. Felicity Cousins spricht mit Sportler*innen, die für den rasanten Nervenkitzel dieser jungen Disziplin leben...

Der Monobob oder Einzelbob scheint wie aus heiterem Himmel in der Wintersportszene gelandet zu sein und war bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking zum ersten Mal mit von der Partie. Doch die Geschichte dieses Sports reicht mehr als 160 Jahre zurück, ganz in die Anfänge von St. Moritz als Wintersportort.

Marc Fischer, Präsident des International Monobob Club (IMBC) St. Moritz, verrät uns einige Details zur Geschichte des Sports: «Im Laufe der Jahre gab es viele verschiedene Bahnen. Der Cresta Run – eine 1884 erbaute Natureis-Rodelbahn – erfreute sich grosser Beliebtheit. Doch irgendwann wollten einige nicht mehr kopfvoran, sondern lieber im Sitzen, die Fahrrinne hinuntersausen – und dies führte zur Gründung des St. Moritz Bobsleigh Clubs.»

Schwarzweiss-Aufnahme eines Teilnehmers am Cresta Run in St. Moritz 1914; swiss-image.ch/M. Weintraub
Ein Teilnehmer am Cresta Run in St. Moritz 1914; swiss-image.ch/M. Weintraub

1904 wurde im Engadin die olympische Bobbahn St. Moritz-Celerina eröffnet, sodass die Freunde des Bobsports sich an den haarsträubenden Kurven und Geraden, der 1,72 Kilometer langen Strecke, vergnügen konnten. Ab den 1960er Jahren erlebte der Schweizer Ferienort eine goldene Ära, als Gunter Sachs, der Industrielle und Prominente, der einst Mieter des Penthouse Apartment im Badrutt’s Palace Hotel war, Präsident des St. Moritz Bobsleigh Club wurde und in dieser Rolle dafür sorgte, dass die Bahnen finanziert und bestens instandgehalten wurden.

Es war Sachs’ Sohn Rolf, der den Monobob 2008 der Weltöffentlichkeit vorstellte. Danach dauerte es nur 14 Jahre, bis sich der Sport von einem experimentellen Testlauf im Olympia Bob Run zu einer Bobschlittendisziplin für Frauen bei den Olympischen Winterspielen 2022 emporschwang.

Dr. Anna Erat, Monobob-Sportlerin und Vorstandsmitglied des IMBC, freut sich, dass der Sport nunmehr ein breiteres Publikum erreicht. «Wie bei jeder neuen Sportart braucht es eine gewisse Zeit, bis sie sich etabliert», sagt sie. «Ich fahre seit drei Jahren einen Monobob. Das erste Mal allein unterwegs zu sein, macht ganz schön Angst, aber wenn man sich gut vorbereitet hat, ist es ungeheuer prickelnd.»

Monobob-Athletin Dr. Anna Erat an der Strecke des Olympia Bob Run St. Moritz-Celerina
Dr. Anna Erat, Monobob-Sportlerin und Vorstandsmitglied des International Monobob Club St. Moritz

Wie man den Monobob am besten erlebt

Das IMBC bietet Kurse (drei- und fünftägig) für diejenigen an, die diese blitzschnelle Disziplin ausprobieren möchten. Nach Abschluss des Kurses erhalten die Schüler eine Lizenz, mit der sie sich auf dem Olympia Bob Run vergnügen können. Er war Austragungsort von zwei Olympischen Winterspielen und ist die älteste Naturrennbahn der Welt (andere sind mit einer Eisschicht bedeckte Betonkonstruktionen). Eine beliebte Möglichkeit, den Sport zu erleben, sind Gruppenveranstaltungen.

«Die Gruppen starten auf halber Höhe der Strecke, erreichen aber immerhin noch 115 Stundenkilometer und erleben 12 der 19 Kurven», erklärt Gregor Stähli, Geschäftsführer des Olympia Bob Run. «Jeder absolviert zwei Läufe und es ist wie ein Rennen; wir haben einen Kommentator und eine Zeitliste und die Leute fühlen sich wirklich wie richtige Olympioniken. Das ist eine weltweite Exklusivität. Das geht nur in St. Moritz.»

Der britische Bobfahrer Tony Wallington kennt den Nervenkitzel einer Bobbahn mit Zeitmessung. Er war Teilnehmer an den Olympischen Winterspielen 1980 und 1984 und im Jahr 2014 an den ersten britischen und internationalen Monobob-Meisterschaften mit dabei. «Wenn man die Zeit sieht, die man braucht, um das Rennen zu gewinnen, vergisst man die blauen Flecken, die man sich zugezogen hat. Man fühlt sich einfach grossartig», lacht er. «Kein anderer Sport vermittelt mir dieses Gefühl.»

Auch Marc Fischer schätzt den Nervenkitzel des Sports. Auf dem Olympia Bob Run hat er seinen ganz besonderen Lieblingsabschnitt. «Die schönste Kurve für mich ist der Sunny Corner – eine langgezogene Kurve und der sonnigste Teil der Strecke», sagt er. «Aber der Horsehoe-Corner, eine Kurve in Form eines Hufeisens, und ich – wir stehen eher auf Kriegsfuss!»

Dr. Erat hingegen schwärmt von der Herausforderung der 180-Grad-Kurve: «Ich liebe die Hufeisenkurve – man muss couragiert genug sein, möglichst hoch am seitlichen Rand hochzufahren, bevor man zu drehen beginnt», sagt sie. «Da heisst es, kühlen Kopf zu bewahren und nicht die Nerven verlieren.»

Auch Wallington ist ein Fan der Hufeisenkurve. «Die Beschleunigung, die man beim Herausfahren spürt, ist unglaublich», fügt er hinzu. «Der absolute Nervenkitzel kommt jedoch, wenn man Devil’s Dyke verlässt und in den schnellsten Abschnitt der Strecke einfährt.»

Ein Monobob am Horseshoe-Corner des Olympia Bob Run St. Moritz-Celerina
Horseshoe-Corner des Olympia Bob Run St. Moritz-Celerina; IBSF/Girts Kehris

Fakten

Was ist ein Monobob?
Ein Monobob ist ein Bobschlitten für eine Person. Der Fahrer ist Pilot, Anschieber und Bremser – alles in einem. Das erfordert flinke Beine und Multitasking-Talent.

Wie lerne ich?
Absolvieren Sie einen vom International Monobob Club St. Moritz organisierten Kurs (drei- bis fünftägig), um die Lizenz zum Befahren des Olympia Bob Run St. Moritz-Celerina zu bekommen.

Wann ist in St. Moritz Bobsport-Saison?
Zwischen Dezember und Anfang März.

Wo kann ich mehr erfahren?
https://www.stmoritz.com/en/olympia-bob-run/
https://www.theimbc.ch/
https://www.bobclub-stmoritz.ch/home_en

Weitere Kategorien

Kunst & Kultur

Essen & Trinken

Wellness & Sport

Leben & Stil

Tradition & Geschichte

Menschen & Ereignisse